Lagerbruch Koga TwinTraveller

VG-Wort Access-ZählmarkeDietmar Rudolph, tandem@crlf.de, 17. 8. 2001

Dieser Artikel wurde im August 2001 geschrieben. Anfang 2005 machte mich Mario Jausovec von Koga Miyata darauf aufmerksam, dass bei neueren Modellen des TwinTravellers eine konstruktive Änderung durchgeführt wurde, um das hier beschriebene Problem zu beheben. Bitte lest deshalb unbedingt auch den Nachtrag.

Hinweis

Dieser Artikel beschreibt ein Problem mit dem Koga-Miyata TwinTraveller Reise-Tandem. Er soll andere Tandemfahrer auf dieses Problem aufmerksam machen, um Schäden zu vermeiden. Der Artikel darf deshalb frei weitergegeben werden.

Gleichzeitig möchte ich deutlich machen, dass es nicht Sinn dieses Artikels ist, die Firma Koga B.V. oder das TwinTraveller schlecht zu machen. Im Gegenteil: Die Firma Koga B.V. war ausgesprochen hilfsbereit, als es um die Behebung des Schadens ging. Wir sind auch weiterhin mit dem Rad ausgesprochen zufrieden und werden noch viele weite Touren damit unternehmen.

Es gibt allerdings ein Problem, das im Extremfall während der Fahrt zu einem Sturz führen kann. Davor soll dieser Artikel warnen.

Vollfederung

Ihr habt das TwinTraveller gekauft, weil es voll gefedert ist. Als einziges Tandem hat es auch einen gefederten Hinterbau, wodurch es zu einem sehr bequemen Reiserad wird. Allerdings liegt genau dort das Problem.

Wie bei jedem anderen vollgefederten Rad sind Rahmen und Hinterradschwinge durch ein Federelement und ein Lager verbunden.

Dieses Lager kann brechen, so wie es uns passiert ist. Geschieht dies bei voller Fahrt, z. B. an einem Schlagloch, so wird der Hinterbau schlagartig lose. Das Rad wird instabil, es kann zu einem Sturz kommen. Bei uns passierte dieser Bruch bei langsamer Fahrt durch holpriges Gelände. Glücklicherweise sind wir nicht gestürzt.

Der Bruch wird ausgelöst durch Belastungen, die Hinterradschwinge und Rahmen gegeneinander verbiegen. Dies kann bei Kurvenfahrten passieren, tritt aber insbesondere bei Fahrten mit Gepäck auf. Schließlich ist das ein Reiserad. Wir hatten es nicht überschwer beladen: 23 kg hinten, 7 kg vorn, Fahrer+Stoker 150 kg. Packt man auf den Gepäckträger zwei Seitentaschen und einen Koffer, so kann man schon im Stand beim Schaukeln des Rades sehen, wie sich die beiden Teile gegeneinander verbiegen. Ihr solltet diese Bewegung immer im Auge behalten. Wird sie zu stark, ist unbedingt das Lager nachzustellen. Eventuell ist es auch schon gebrochen.

Aufbau des Lagers

Das Lager besteht im wesentlichen aus zwei Teilen, die von rechts und links in Lagerschalen eingesetzt werden und durch einen M6-Bolzen verbunden sind. Dabei hat der rechte Konus ein Innen- und ein Außengewinde, während der linke Konus sowohl innen als auch außen glatt ist.

Der rechte Konus wird mit dem Außengewinde im Rahmen verschraubt, der linke Konus nur eingesteckt und dann durch den Bolzen mit dem linken Konus verschraubt. Zu diesem Zweck braucht man jeweils einen 5 mm Inbusschlüssel. Allerdings sind beide Seiten des Lagers durch Kettenblätter verdeckt. Um das Lager festzuziehen oder zu wechseln, muss deshalb das jeweilige Kettenblatt entfernt werden. Dazu braucht man weiteres Werkzeug, insbesondere einen Kettenblattabzieher.

Zu beachten ist, dass das rechte Lagerteil in den Rahmen geschraubt wird, das linke Teil nur durchgesteckt und dann in das rechte Element geschraubt wird. Dabei taucht die Schraube nur etwa so weit in das Lagerteil ein, wie auch das Außengewinde reicht.

Bei unserem Rad ist nun genau an dieser Stelle, also am Ende des Außengewindes das Lager gebrochen.

Offensichtlich hat sich also der äußere Teil des Lagers bewegt, währen der innere Teil fest im Rahmen verschraubt war. Es könnte sein, dass die Länge des Bolzens eine Rolle spielt, denn der Bolzen ragt weniger als 1 mm in den nicht verschraubten Teil des Lagers hinein.

Allerdings ist bei unserem Rad nicht nur der Lagerkonus an der zu erwartenden Stelle gebrochen, sondern auch der Bolzen selbst! Es steckt immer noch ein kurzes Stück des Bolzens (max. 2 mm) im Gewinde des abgebrochenen Teils. Was also in welcher Reihenfolge warum gebrochen ist, weiß ich nicht genau. Dies ist auch mehr eine Frage an Koga.

Wichtig ist lediglich, dass sich der Bruch durch die Konstruktion des Lagers zwangsläufig ergibt. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass auch euch diese Panne im Laufe der nächsten paar tausend Kilometer erwischt.

Vorkehrungen

Damit euch nicht dasselbe passiert wie uns, solltet Ihr auf folgendes achten:

Rückmeldungen

Solltet Ihr weitere Informationen zu diesem Problem oder überhaupt zum TwinTraveller haben, bin ich sehr interessiert, von euch zu hören. Insbesondere interessiert es mich natürlich, ob Koga eine Lösung für dieses Problem bietet. Wer etwas hört, melde sich bitte bei tandem@crlf.de.

Nachtrag, März 2005

Im Februar 2005 erhielt ich eine Email von Mario Jausovec, Koga Miyata. Er informierte mich darüber, dass bei den neueren Modellen des TwinTraveller ab Modellreihe 2003 das hier beschriebene Lager konstruktiv überarbeitet wurde. Zum einen wurde der Schraubbolzen verlängert, zum anderen hat nun keine der Lagereinheiten mehr ein Außengewinde. Ich bedanke mich bei Mario Jausovec für diese Ergänzung sowie für das nachfolgende Foto des überarbeiteten Lagers, welches ich freundlicherweise hier abbilden darf.

Weitere Informationen für Tandemfahrer ...


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Last modification: 06.04.2011