VG-Wort Access-ZählmarkeVom Bodensee zum Königssee und zurück – via Füssen, Bad Tölz, Kitzbühel, Innsbruck, St. Moritz

Tandem vor AlpenkulisseBeschreibung einer Tandemtour durch das Voralpenland und durch verschiedene Alpentäler, gefahren im Juni 2013

Dietmar Rudolph, tandem@crlf.de, 4. 8. 2013

Bodensee – Königssee – Bodensee, 21 Tage, ca. 1300 km, ca. 10.000 Höhenmeter

Tandem: Santana 26-Zoll, Gepäck: 35 kg (inkl. Zelt, Schlafsäcke, Luftmatrazen) plus Getränke sowie Einzelrad.

Übernachtung: teilweise auf öffentlichen und privaten Campingplätzen, teilweise in Hotels und Pensionen.

Schäden: keine

Eine Runde um den Bodensee ist für viele der Einstieg ins Reiseradeln. Mir persönlich ist die Strecke allerdings zu voll und zu langweilig. Wer einen schönen Weg um den Bodensee sucht, sollte die Mühe nicht scheuen, einige Kilometer vom Ufer entfernt durch die Obstfelder und Hügel zu fahren. Auf schweizer Seite gibt es auf dem Seerücken viele schöne und ausgeschilderte Routen, ähnlich auf der deutschen Seite im Argental und Richtung Markdorf oder Salem.

Auch die hier beschriebene Tour ist eigentlich eine Runde um den Bodensee, aber eine große Runde. Wir starten am deutschen Ufer und landen schließlich am schweizer Ufer. Zwischendurch folgen wir in groben Zügen einigen bekannten, ausgeschilderten Fernradwegen, nämlich dem Bodensee-Königssee-Radweg, dem Mozart-Radweg, dem Inn-Radweg, der Graubünden-Route und dem Rhein-Radweg. Unterwegs bewundern wir die herrlichen Landschaften des bayrischen Voralpenlands, folgen einigen Hochgebirgstälern und erreichen zwischendurch eine Höhe von über 2300m.

Bodensee – Königssee

Der Bodensee-Königssee-Radweg ist einer der klassischen deutschen Fernradwege. Er verbindet viele der großen bayrischen Voralpenseen wie Bodensee, Alpsee, Forggensee, Kochelsee, Tegernsee, Schliersee, Chiemsee und eben Königssee. Der Weg wird oft als familientauglich herausgestellt. Wie diese Einschätzung zustande kommt, ist mir allerdings unklar.

Schon ein Blick in den Atlas zeigt die vorherrschende Geographie: Viele kleine und große Flüsse entspringen in den Alpen und fließen nordwärts zur Donau: Iller, Lech, Isar, Inn ... Wer durch das Voralpenland radelt, muss alle diese Flüsse kreuzen. Der Bodensee-Königssee-Radweg sieht deshalb so aus:

Man kreuzt einen Bach oder Fluss, fährt mehr oder weniger lang und mehr oder weniger steil die nächste Wasserscheide hoch, bewundert oben den herrlichen Ausblick – und stürzt sich dann wieder hinunter zum nächsten Fluss. Auf diese Weise kommen viele Höhenmeter zusammen, insgesamt über 5.500! Familien mit kleinen Kindern oder untrainierte Radler sollten deshalb hier nicht fahren! Wer aber bereit ist, die vielen, manchmal auch steilen Steigungen auf sich zu nehmen, wird dafür mit wunderschönen Landschaften und Ausblicken belohnt.

Die Strecke führt größtenteils über asphaltierte Feldwege oder kleine Straßen, manchmal über unbefestigte oder schlechte Wege sowie teilweise als Radweg an Landstraße. Wir sind größtenteils der ausgeschilderten Strecke gefolgt und nur an einigen Stellen abgewichen, meist um Strecken nahe der Landstraße oder Autobahn zu vermeiden:

Zur Vorbereitung:

Königssee – St. Johann in Tirol (Mozart-Radweg)

Am Königssee, bzw. in Berchtesgaden, trifft man neben diversen anderen Fernradwegen auch auf einen Teil des verschlungenen Mozart-Radwegs. Wir folgten diesem bis nach St. Johann in Tirol.

Ab Bad Reichenhall folgt der Mozart-Radweg dem Tal der Saalach. Normalerweise gibt es hier einen ausgeschilderten, zumeist geschotterten Weg am Ufer entlang, möglichst auf der anderen Talseite als die Bundesstraße. Aufgrund der Überflutungen in den Wochen vor unserer Tour war der Radweg zwischen Bad Reichenhall und Lofer an vielen Stellen gesperrt oder unpassierbar. Wir mussten meist auf die Landstraße ausweichen, unter anderem über den Steinpass an der deutsch-österreichischen Grenze.

Ab Lofer folgt der Mozartradweg dem Loferbach. Hier gibt es einen sehr schön gelegenen, relativ neuen Radweg mit moderater Steigung durch das Strubtal, welches dann ab Waidring abwärts zur Großen Ache führt. Die Strecke ist sehr selten als Mozartradweg beschildert, meist aber gibt es Hinweisschilder zu den nächsten Ortschaften. Radler werden konsequent im Tal und von der Landstraße ferngehalten, so dass sich eine Wegweisung sowieso erübrigt.

St. Johann in Tirol – Kitzbühel – Brixen – Wörgl: Radrouten Leukental (20) und Brixental (21)

Auch wenn sich die Beschilderung in Tirol mehr an Mountainbiker richtet, gibt es trotzdem viele Strecken, die auch für Radwanderer attraktiv sind. Während der Mozartradweg in Kirchdorf Richtung Norden abzweigt, führt einen der Radweg 20 über St. Johann nach Kitzbühel. Auf der Hahnenkamm-Seite folgt man Straße und Bahn bis zum Schwarzsee. Hier gelangt man auf den Radweg 21, der über Kirchberg, Brixen und Hopfgarten stetig bergab ins Inn-Tal führt. Wer sich den 10-Kilometer-Umweg das Windautal erst hinauf und dann wieder hinunter sparen will, muss sich hinter Holzham rechts halten und direkt zum Gasthaus Lendwirt hinabfahren.

Wörgl – Maloja (Inn-Radweg)

Zum Inn-Radweg muss man nicht viel sagen. Es gibt ausreichend Literatur und Karten. Die Strecke ist durchgehend ausgezeichnet beschildert. Selbst Umleitungen und neue Streckenführungen lassen sich nicht verfehlen. Fast alle Reiseradler fahren den Inn abwärts, aber auch in der umgekehrten Richtung ist die Strecke zumindest im österreichischen Teil sehr einfach zu fahren.

Man sollte sich allerdings im Klaren darüber sein, dass der Inn-Radweg von Landeck bis weit hinter die deutsche Grenze parallel zur Inntal-Autobahn verläuft, oft dicht, manchmal sogar nur durch einen Maschendrahtzaun vom Standstreifen getrennt. Zwar haben sich die Radwegplaner Mühe gegeben, den Weg abseits der Straßen zu führen, aber das Tal ist nun einmal eng und es bleibt nicht immer Platz, neben Fluss, Autobahn, Bahnlinie und zwei Bundesstraßen noch Abstand zu lassen. Die 150 km zwischen Wörgl und Landeck lassen sich wie gesagt sehr leicht zurücklegen, aber immer mit der Geräuschkulisse der Autobahn im Hintergrund.

Ab Landeck wird das Inn-Tal sehr idyllisch, aber auch anstrengender. Das Tal ist nun so eng, dass neben dem Fluss nur noch die Bundesstraße Platz hat. Der Radweg wird dann auf den Talflanken und teilweise ein ganzes Stück über dem Fluss geführt. Zwischen Pfunds und der schweizer Grenze muss man auf der Landstraße fahren. Diese war aber zumindest zu der Tages- und Jahreszeit, in der wir unterwegs waren, sehr leer. Wir haben deshalb auch die unnötigen Abstecher über Guarda und Ftan mit den entsprechenden Höhenmetern auf der Landstraße abgekürzt.

In der Schweiz sind alle Fernradwege ohne Einschränkung ausgezeichnet beschildert. Der Inn-Radweg trägt die Nummer 61. Anders als in Österreich ist die Wegeoberfläche oft und teilweise sehr grob geschottert. Es gibt auch einige sehr steile Stücke, z.B. bei Strada und bei Zernez, die teilweise nur schiebend zurückzulegen sind. Gewarnt sei auch vor den vielen Regenablaufrinnen, die teilweise tief und schräg in die Wege eingelassen sind. Für ungeübte oder unaufmerksame Radler gibt es viele Gefahrenstellen.

Bei St. Moritz führen Beschilderung und Bikeline die Radler am Staz-See entlang. Diese unnötigen Höhenmeter kann man problemlos vermeiden, indem man dem am südlichen Inn-Ufer verlaufenden Rad/Fußweg folgt. Das Stück zwischen Maloja-Pass und Silvaplana (Abzweig Julier-Pass) kann man gut auf der Landstraße bewältigen, sofern man sich mit dem Autoverkehr arrangiert.

La Punt – Chur (Graubünden-Route)

Um vom Inn-Tal ins Rhein-Tal zu gelangen, kann man den Julier-Pass fahren. Wesentlich angenehmer, weil ohne LKW, flacher und mit weniger Verkehr ist jedoch der Albula-Pass. Die Albulastraße beginnt in La Punt. Hier zweigt auch die nationale Radroute 6 (Graubünden-Route) aus dem Inn-Tal ab. Es sind 650 Höhenmeter auf 9 Kilometer Strecke zu überwinden. Danach geht es nur noch bergab.

Zwischen Tiefencastel und Thusis wird die Route auf der Landstraße geführt. Aufgrund der vielen Tunnel und des heftigen Verkehrs empfehlen die meisten Beschreibungen hier den Transport mit Bus oder Bahn. Wer jedoch den Albula-Pass gut überstanden hat, kann alternativ auch über Lenzerheide nach Chur fahren.

Dazu biegt man hinter Alvaneu-Bad rechts Richtung Davos ab. Nach einer Serpentine zweigt links eine kaum befahrene Straße ab, die über Brienz nach Lantsch führt. Ab hier folgt man der Hauptstraße nach Lenzerheide und Parpan, immer stetig bergauf (ca. 800 Hm auf 15 km). Hinter Parpan geht es steil abwärts, und in Churwalden sollte man die Landstraße verlassen. Hier geht rechts die mit der Nummer 255 beschilderte Brambüesch-Tour ab, die durch die Rabiusa-Schlucht bis hinab nach Chur führt. Grober Schotter, aber sehr sehenswert! Wo die Schotterstrecke endet, links die Straße hinab und nach zwei Serpentinen wieder rechts der Beschilderung folgen.

Chur – Bodensee

In Chur stößt man auf die nationale Veloroute 2, den Rhein-Radweg. Der Rhein ist in diesem Bereich allerdings nicht mehr als ein eingedeichter Kanal. Außer im Bereich von Landquart, wo die Route durch die Weinberge geführt wird (Höhenmeter!), fährt man ausschließlich auf dem Rheindeich entlang, meist direkt neben der Autobahn.

Ab dem ersten Grenzübergang nach Liechtenstein ist es deshalb viel sinnvoller, die schweizer Route zu verlassen und stattdessen entweder auf dem liechtensteiner Deich oder auf der Liechtensteiner Rheinroute (Beschilderung 35) durch das Hinterland zu fahren. Zurück in der Schweiz kann man zwischen Oberriet und Widnau sehr schön dem Uferweg des Rheintaler Binnenkanals folgen, auch wenn dieser nicht als Radroute beschildert ist. Er führt automatisch wieder auf die Rhein-Route zurück und damit zum Bodensee.

Kuhsperre

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Last modification: 14.09.2013