Insel-Hopping in Dänemark

VG-Wort Access-ZählmarkeAusschnitt einer Tandemtour über diverse dänische Inseln, gefahren im August 2008

Dietmar Rudolph, tandem@crlf.de, 24. 2. 2009

Dänemark 2008

Unsere Sommer-Tour 2008 führte uns von der Elbe an den Nord-Ostsee-Kanal, allerdings mit einer großen Schleife über die deutsche und dänische Ostseeküste. Weil besonders der Abschnitt durch Dänemark bestimmt auch für andere Reiseradler interessant ist, beschreibe ich hier nur diesen Teil unserer Tour.

Rødby-Sønderborg Dauer: 10 Tage, Länge: ca. 660 km

Tandem: Santana 26-Zoll, Gepäck: 35 kg (inkl. Zelt, Schlafsäcke, Luftmatrazen) plus Getränke. Übernachtung zumeist auf öffentlichen Campingplätzen, in größeren Städten auch in Hotels.

Schäden: Zweimal Plattfuß hinten

Fehmarn

Übergesetzt nach Dänemark haben wir mit der Fähre Puttgarden-Rødby (Vogelfluglinie). Nach Fehmarn kommt man per Fahrrad nur über die Fehmarnsundbrücke. Diese hat NUR auf der westlichen Seite einen winzigen Fuß- und Radweg. Mit Gepäck muss man darauf hoffen, dass einem kein anderer Reiseradler entgegen kommt. Ausweichen ist unmöglich. Vom Fahren auf dem Seitenstreifen ist auch abzuraten, weil man diesen erst ein paar Kilometer hinter der Brücke wieder verlassen kann.

Die Fähre über den Fehmarnbelt ist für Radfahrer problemlos zu benutzen. Man muss die Fahrkarten am Autoschalter kaufen, nicht am Fußgängerschalter. Also einfach in die Autoschlange stellen. Dort wird man dann in die passenden Schlangen geleitet. Als Radfahrer muss man als letzte auf die Fähre fahren und sollte sie aus Sicherheitsgründen auch als letzte verlassen.

Radwege in Dänemark

Dänemark verfügt über ein ausgezeichnetes Radwegenetz. Die Wege sind sehr gut beschildert mit blauen Radwegweisern. Diese enthalten immer eine Radwegnummer sowie meist auch Ortsangaben und Entfernungen. Die Fernradwege mit den Nummern 1 bis 9 führen über große Entfernungen durch Dänemark, zweistellige Radwege überbrücken kürzere Strecken.

Radkarten für Dänemark

Ja, es gibt ausgezeichnete Radkarten für Dänemark. Man kann sie nur nirgendwo kaufen!

Der Dänische Radfahrerverband (Dansk Cyclist Forbund) hat 2007 einen Satz von 7 Karten im Maßstab 1:100.000 herausgegeben. Diese Karten enthalten sämtliche ausgeschilderten Radwege sowie viele touristische Informationen (Museen, Campingplätze, usw.). Jede Karte kommt mit einem 80 Seiten starken Heft, in dem die enthaltenen Radwege ausführlich erklärt sind. Die Hefte gibt es in dänischer, englischer und deutscher Sprache.

Leider gibt es diese Hefte und Karten ausschließlich in den Fremdenverkehrsbüros vor Ort zu kaufen. Trotz ISBN-Nummer haben wir sie weder im Buchhandel noch im Landkartenhandel in Deutschland bekommen können. Noch dummer ist es, dass auch in Dänemark immer nur die jeweilige Karte für die aktuelle Insel zu bekommen ist. Die Karte von Fünen (Fyn) gibt es nur in den Touristenbüros auf Fünen, und die haben am Wochenende zu. Da wir beispielsweise Samstag abends auf Fünen eintrafen, konnten wir weder Samstag noch Sonntag die passende Karte kaufen. Und Montag waren wir dann schon auf Als.

Auch ist es Glücksache, welche Sprachvariante des Begleithefts gerade noch vorrätig ist. Wir haben mal die dänische, mal die englische Fassung bekommen. Es ist also dringend geraten, die benötigten Karten vorab im Internet zu bestellen:

Die beiden bikeline-Führer zu Dänemark beschreiben nur sehr enge Korridore und sind deshalb nur zu empfehlen, wenn man sich auf die von Verlag ausgewählte Strecke beschränkt.

Lolland

Mit der Fähre landet man in Rødbyhavn. Das ist lediglich ein Fährhafen mit einigen verlassenen Gebäuden und Autobahnanschluss. Zwischen den vielen Schildern gibt es auch eines, das direkt zum nächsten Radweg führt. Es empfiehlt sich, sofort dem Radweg 7 zu folgen, auch wenn man wie wir erst nach Rødby-Stadt zum Einkaufen und Geldabheben muss. Der direkte Weg nach Rødby führt an einer Landstraße entlang und durch diverse Drängelgitter. Der Radweg 7 geht hingegen auf einer alten Bahntrasse dicht an Rødby vorbei. Dieser Bahntrasse folgt die Radroute bis zum Søndersø, der auf einem idyllischen Pfad umrundet wird. Hinter dem Freilichtmuseum wird man in Maribo durch ein Industriegebiet geführt. Hier trifft man auf den Radweg 8. Bis Sakskøbing führen die Radrouten 7 und 8 auf einer vielbefahrenen Landstraße. Dies war das hässlichste Stück der gesamten Dänemarktour. Ab Sakskøbing folgten wir dem Radweg 8 über über einsame Landsträßchen via Toreby nach Nykøbing auf Falster.

Falster

Auf Falster angekommen, orientierten wir uns zunächst südwärts, um dann bei Marialyst an die Ostküste zu kommen. In dieser Gegend gibt es viele Campingplätze und Ferienhäuschen. Wir folgten der Radroute 9 immer der Küste entlang bis nach Stubbekøbing. Der Radweg verläuft meist dicht am Wasser, oft durch Wald. Größtenteils führt er über asphaltierte Feldwege und Sträßchen, teilweise ist der Weg auch unbefestigt. Es sind dabei auch einige Höhenlinien zu kreuzen. Dieser Teil unserer Strecke gehört auch zum Fernradweg Berlin-Kopenhagen. Deshalb trafen wir hier, und nur hier, auch auf einige andere Reiseradler.

Mön (Møn)

Mit einer historischen Fähre setzten wir von Stubbekøbing nach Bogø über. Diese kleine Insel verließen wir aber sofort wieder auf dem Weg nach Mön. Dazu muss man einem langen Damm folgen, auf dem nur eine Landstraße verläuft, die aber relativ wenig befahren war. Die Radrouten 8 und 58 umrunden Mön weitgehend gleichlaufend auf kleinen Straßen. Wir sind gegen den Uhrzeigersinn bis zu den Kreidefelsen (Møns Klint) gefahren. Hier gibt es auch einen Campingplatz in unmittelbarer Nähe der Klippen. Radfahrer sollten sich im Klaren sein, dass Mön bergig ist. Hier sind einige Höhenmeter zu überwinden. Trotzdem ist die Insel sehenswert. Auch wer nur Berlin-Kopenhagen fahren will, sollte einen Abstecher nach Lieselund und zu den Kreidefelsen machen.

Seeland (Sjælland)

Über Stege, den Hauptort von Mön, kehrten wir zurück zur Radroute 9, welche über eine große Brücke nach Kalvehave auf Seeland führt. Vor der Brücke muss man einige Kilometer auf einer vielbefahrenen Landstraße zurücklegen, ab der Brücke gibt es dann Fahrradstreifen. Auf Seeland angekommen, verlässt die Route 9 sofort den Autoverkehr. Auf Nebenstraßen geht es durch Felder nach Præstø. Dabei wird man immer wieder recht weit von der Küste weggelenkt. Ist der Præstø-Fjord umrundet, bleibt man bis Køge immer in Sichtweite der Ostsee. Zwischen Køge und Kopenhagen reiht sich Ort an Ort. Deshalb verläuft hier die Radroute 9 im Landesinneren. Im Zickzack geht es durch Felder und kleine Orte. Erst in Greve Strand kommt man gemeinsam mit den Radrouten 4 und 6 an die Ostsee zurück. Über viele Kilometer geht es jetzt zwischen Sandstrand und Villen hindurch.

Kopenhagen (København)

Die Einfahrt nach Kopenhagen ist relativ einfach, wenn man der Beschilderung folgt. Es geht immer wieder kreuz und quer unter großen Straßen oder Fabrikeinfahrten hindurch. Wir wählten für die Strecke in die Innenstadt die Radroute 6. Diese führt über eine Autobahnbrücke auf die Insel Amager und dann durch ein Naturschutzgebiet. Irgendwie landeten wir dann auf einer großen Baustelle, in der sämtliche Radwege und Schilder verloren gingen. Allerdings muss man eigentlich nur geradeaus fahren und kommt so automatisch zur Langebro, also zum Zentrum.

Kopenhagen ist für Radfahrer entweder ein Traum oder ein Alptraum. Ein Traum, wenn man es mit deutschen Großstädten vergleicht: breite Radstreifen, eigene Ampeln, überall Parkplätze. Kopenhagen ist eine Stadt, in der es wahrscheinlich mehr Fahrräder gibt als Autos. Ein Alptraum, weil jeder fährt wie er will. Als Radtourist ist man ein Verkehrshindernis. Rechts und links wird man überholt von Müttern mit Kindern im Korb, Anzugträgern und jeder Menge Kinder. Dafür kommt man mit dem Rad problemlos zu jeder Sehenswürdigkeit.

Für die Ausfahrt aus Kopenhagen in Richtung Roskilde wählten wir einen anderen Weg als für die Einfahrt. Dies war ganz interessant, ist aber nicht unbedingt zu empfehlen. Vom Zentrum aus führt die in diesem Bereich leider nicht beschilderte Radroute 2 entlang der Ausfallstraße Richtung Værløse, bis sie zur Autobahn wird. An einem See kreuzt man den Radweg 9, auf den wir Richtung Südwesten abbogen. Nun folgt man einem Grüngürtel rund um Kopenhagen, immer in Nähe des Autobahnrings.

Bei Hvessinge bogen wir dann auf den Radweg 58 Richtung Westen ab. Erneut ging es durch Wohngebiete und Vorstädte weitestgehend geradeaus, auch wenn nicht immer alles korrekt ausgeschildert ist. Hinter einer großen Sportplatzanlage kreuzt man eine Autobahn und hat dann den Großraum Kopenhagen hinter sich gelassen.

Seeland (Sjælland), Fortsetzung

Auf dem Radweg 57 ging es am Ole-Rømer-Museum vorbei über Sengeløse und Ågerup zum Roskilde-Fjord. In Roskilde trafen wir dann wieder auf die Radroute 6, die sehr schön auf leeren Landstraßen quer durch Seeland führt. Nur vor und hinter dem Schloss Ledreborg gibt es einige unbefestigte Stücke. Problematisch ist nur die relativ geringe Dichte an Campingplätzen im Inselinnern. Wir haben deshalb einen Umweg über Sorø machen müssen. Hinter Slagelse empfiehlt sich ein Abstecher zum dänischen Trelleborg, einer ehemaligen Wikingerburg mit Freilichtmuseum.

Fünen (Fyn)

Die Radroute 6 endet automatisch am Bahnhof von Korsør, denn die Brücke über den Großen Belt ist nur für Autos erlaubt. Reiseradler müssen deshalb den Zug nehmen. Ein Schalter ist nicht vorhanden, aber am Automaten lässt sich leicht eine Karte zur nächsten Haltestelle Nyborg auf Fünen lösen. Züge fahren alle halbe Stunde und sind mit Rädern einfach zu benutzen. Allerdings wurden wir erst im Zug aufgeklärt, dass in Dänemark für ein Tandem zwei Fahrradkarten zu lösen sind. Aber der Automat hatte auch keine Taste für Tandems.

Auch Fünen ist nicht flach. Sowohl im Bereich von Nyborg als auch im Bereich von Fåborg gibt es einige Höhenmeter zu überwinden. Dazwischen führte uns die Radroute 51 weitgehend problemlos vom Großen zum Kleinen Belt.

Als und Jütland (Jylland)

Zwischen Fåborg und Fynshav verkehrt alle zwei Stunden eine Fähre. Es empfiehlt sich, auf Als zu übernachten, weil dort Campingplätze und Lokale vorhanden sind. Auf Fünen ist der Fährhafen menschenleer. Die Insel Als ist dann schnell durchquert und in Sønderborg verließen wir die letzte Insel unserer Tour und kehrten auf das Festland zurück.

Dänemark 2008

Fazit

Dänemark ist ein sehr angenehmes Fahrradland. Die höchste Erhebung ist weniger als 200 Meter hoch. Es existiert ein sehr gut ausgeschildertes Radwegenetz sowohl aus nationalen Radrouten als auch aus überregionalen Verbindungswegen. Die Radwege werden größtenteils auf Feldwegen und ruhigen Nebenstraßen geführt. Viel befahrene Straßen werden weitestgehend vermieden. Kopenhagen ist für Fahrradfahrer ein Paradies.

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Last modification: 06.04.2011