VG-Wort Access-ZählmarkeMit dem Rad rund ums Jura

Tandem vor VogesenkanalBeschreibung einer Tandemtour durch die Schweiz, Frankreich und Deutschland, gefahren im August 2017

Dietmar Rudolph, tandem@crlf.de, 29. 1. 2018

Bodensee – Genfer See – Rhône – Saône – Mosel – Bodensee, 18 Tage, ca. 1600 km

Tandem: Santana 26-Zoll, Gepäck: 5 kg sowie Einzelrad.

Übernachtung: in Hotels und Pensionen.

Schäden: keine

Das Jura wird grob von fünf großen Flüssen umschlossen: Rhein, Aare, Rhône, Saône und Mosel. Was also liegt näher, als diese Flusstäler für eine Urlaubsrunde zu nutzen.

Wo man diese Runde beginnt, ist praktisch egal. Es empfiehlt sich aber, das Jura im Uhrzeigersinn zu umrunden. Wir starteten in Romanshorn am schweizer Ufer des Bodensees. Dort beginnt die Mittellandroute (5).

Mittellandroute Bodensee - Genfer See

Wie üblich ist diese schweizer Nationalroute exzellent beschildert. In weiser Voraussicht hatten wir unser Kartenmaterial für diesen Abschnitt der Reise auf eine Karte im Maßstab 1:300.000 eingedampft. Das hat auch einwandfrei funktioniert. Selbst auf Baustellen gab es frei aufgestellte Radwegweiser. Wir haben uns nur ein einziges Mal verfahren – weil wir den Schildern nicht getraut haben.

Man durchfährt auf dieser Route das komplette Mittelland der Schweiz. Man sollte also bedenken, dass dieser Teil unserer Strecke nicht ganz flach ist, auch wenn Obelix etwas anderes behauptet. Insbesondere bei der Querung des Seerückens zwischen Bodensee und Thur, hinter Winterthur sowie bei den Querungen von Limmat und Reuss sind einige Steigungen zu überwinden, gerne auch 15% oder mehr.

Während ein Großteil der Strecke asphaltiert ist, muss man gerade auf den idyllischsten Strecken, z.B. an der Thur, Aare oder am Neuenburger See mit Schotterstrecken rechnen. Auch die finale Abfahrt zum Genfer See geht durch einen Wald.

Informationen zur Mittellandroute: http://www.schweizmobil.ch/de/veloland/route-05.html

Genfer See Lausanne - Genf

Die letzten Kilometer der Mittellandroute hinein nach Lausanne haben wir uns gespart und sind direkt nach der Querung von Autobahn und Bahnlinie rechts nach Morges abgebogen, um auf die Rhoneroute (1) zu gelangen.

Die Strecke am Genfer See entlang ist wenig ansprechend. Man fährt irgendwo zwischen Schnellstraße, Eisenbahn und Autobahn durch Vorstädte und Felder. Es geht ständig bergauf/bergab sowie ständig rechts oder links. Vom See selbst ist wenig zu sehen, und das lag nicht daran, dass es zu allem Überfluss noch geregnet hat. Die Strecke ist einfach wenig attraktiv, besonders die Einfahrt nach Genf.

Informationen zur Rhoneroute: http://www.schweizmobil.ch/de/veloland/route-01.html

Via Rhôna Genf - Lyon

Wegweiser Genf-LyonIn Genf begegnen einem die ersten Radwegweiser 'Via Rhôna' (Eurovelo 17). Diese französische Radroute soll im Endausbau den Genfer See mit dem Mittelmeer verbinden. Die 300 km zwischen Genf und Lyon sind dabei schon ziemlich fertig. Mehr als die Hälfte davon sind autofreie Radautobahnen und hervorragend zu fahren.

Zwischen Genf und der französischen Grenze folgt man der Beschilderung der schweizer Rhoneroute (1). Die Ausfahrt aus Genf ist etwas mühsam und geht kreuz und quer durch irgendwelche Vorstädte. Ab Bernex aber geht es auf asphaltiertem Radweg mitten durch die Felder zur Rhone hinab. Vorsicht hinter der Brücke: Geradeaus ist die Strecke über die Landstraße beschildert, links ab geht es als MTB-Strecke am Ufer entlang. Beide Strecken kommen wenig später wieder zusammen. In diesem Bereich gibt es keinen Uferweg durch das enge Flusstal. Die Radroute führt mal über die Rhonehöhen, mal über Brücken dicht am Fluss. Es kommen einige Höhenmeter zusammen.

Ab der französischen Grenze lässt die Beschilderung nach. Bis zum Rhonedurchbruch bei Chavrier folgt man den Fahrradsymbolen, danach der D908a. Bis Seyssel muss man nun 20km lang auf Landstraßen einen großen Rhonebogen abschneiden. Hier gibt es keinen Uferweg. Der Anstieg bis Clarafond ist anstrengend, besonders bei Verkehr, wird aber durch einen herrlichen Ausblick belohnt. Die dann folgende D192 ist leer und harmlos. Lästig ist aber das Stück D992 mit vielen, vor allem schnell fahrenden Autos. Zur Belohnung in Seyssel über die Brücke fahren und leckeren Kuchen direkt am Ufer genießen.

Ab hier folgt Radautobahn, entweder direkt an der Rhône entlang oder am begleitenden Kanal. Auch wenn wenige Orte an der Strecke liegen, wird dieser Radweg von Freizeitradlern viel genutzt. Kurz vor Lagnieu endet die Voie Verte. Ab jetzt geht es zumeist auf kleinen Landstraßen weiter. Ganz schlimm ist es nur im Kanton Châtillon-sur-Chalaronne rund um die Stadt Chavanoz: viel Verkehr, keine Radwege, keinerlei Beschilderung. Hier muss noch nachgearbeitet werden.

Sobald man das Département Rhône erreicht, verlässt man die D55 und ist wieder allein mit Radfahrern. Nun muss man nur noch eine Treppe hinunter und dann geht es die letzten 30 km am Wasser entlang durch die Grünanlagen von Lyon. Die Beschilderung ist hier entweder sehr großräumig (Mittelmeer noch 368 km) oder deutlich kleinteiliger. Am besten Richtung Parc des Berges fahren. So fährt man weitestgehend im Grünen bis mitten auf die Uferpromenade von Lyon.

Informationen zur Via Rhôna: https://de.viarhona.com/

Route Charles le Téméraire / Saône - Lyon bis Epinal

Wegweiser V50In Lyon mündet die Saône in die Rhône. Hier beginnt auch die französische Radroute V50 Lyon-Brüssel (Charles le Téméraire), welche im wesentlichen dem Lauf der Saône folgt. Im südlichen Teil ist diese Route noch nicht ausgeschildert. Man folgt deshalb zunächst der Uferstraße D51, bis man bei Trévoux das Ufer wechselt. Die Ausfahrt aus Lyon war relativ angenehm, weil aufgrund eines Feiertags mehr Rennradler als Autos unterwegs waren. Im Berufsverkehr ist die Strecke (Radweg an Straße) wahrscheinlich weniger angenehm. Bis Mâcon fahren wir kleine Landstraßen im Tal oder an den Hängen der Weinberge: D933 bis Belleville, dann D109 bis Romanèche-Thorins, schließlich D186 und D169.

Von Mâcon bis Chalon-sur-Saône gibt es eine alternative Strecke über Cluny. Hier fährt man fast 70 km ausschließlich auf einer stillgelegten Bahntrasse. Das ist sehr schön zu fahren und wird auch viel genutzt. Es stören allerdings die vielen Drängelgitter, mit denen man an jedem (!) kreuzenden Feldweg abgebremst wird. Hinter Chalon folgt man 40 km der Strecke des Eurovelo 6, bis dieser sich ins Tal des Doubs verabschiedet.

Nun geht es fast ausschließlich den Uferweg entlang, mal naturbelassen, mal als nagelneue Radautobahn. Gelegentlich muss man kleine Landstraßen fahren. Kurz hinter Auxonne beginnt sogar eine sehr ordentliche Beschilderung. Zu beachten ist, dass die Radroute noch im Bau ist. Teilweise gibt es also schon fertige Strecken direkt am Fluss oder am Kanal, die noch auf keiner Karte zu finden sind.

Neben Reise- und Freizeitradlern findet man in diesem Streckenabschnitt vor allem Freizeitkapitäne mit ihren Hausbooten. Die touristische Infrastruktur ist mager. Nach Supermärkten oder Bäckereien muss man suchen. Die einzige größere Stadt Vesoul liegt 10 km von der Saône entfernt, ist aber durch einen Bahntrassenradweg angebunden.

Im oberen Teil der Saône gibt es meist keinen Uferweg mehr. Hier geht es deshalb auf kleinen Landstraßen von Dorf zu Dorf. Teilweise geht es über die Hügel rechts und links der Saône, was sich zu einigen Höhenmetern summiert. In Corre zweigt der Vogesenkanal (Canal des Vosges) nördlich der Saône ab. Dieser verbindet Saône und Mosel, also Mittelmeer mit Nordsee. Am Kanal entlang gibt es fast durchgehend einen begleitenden Radweg, mit dem sich steigungsfrei die Vogesen überqueren lassen. Schleusentreppe hinauf und die nächste Schleusentreppe wieder hinunter. Nördlich von Epinal erreicht man das Moseltal.

Informationen zur Véloroute Charles le Téméraire: http://www.veloroute-charles-le-temeraire.fr/
Übersicht V50: https://www.departements-regions-cyclables.org/schemas-itineraires/schema-national/v50/
Abstecher über Cluny: https://www.francevelotourisme.com/base-1/troncons/bourgogne-du-sud-voie-verte-et-voie-bleue

Mosel- und Thurtal - Epinal bis Cernay

Folgt man dem Stichkanal, der vom Vogesenkanal in die Innenstadt von Epinal führt, landet man automatisch auf dem Moselradweg. Zwischen Epinal und Remiremont folgt man der D42. Die Straße ist praktisch leer, zusätzlich werden die Autofahrer noch vor den Massen an Radlern gewarnt.

In Remiremont beginnt ein Bahntrassenradweg. Am Kreisverkehr kurz hinter dem Ortsausgang hält man sich rechts Richtung Bussang. Ja, hier gibt es wirklich einen Kreisverkehr, mit dem Bahntrassenradwege verbunden sind. Die Radautobahn endet am ehemaligen Bahnhof von Bussang. Hier kurz auf die Nationalstraße und dann sofort links abbiegen Richtung Skigebiete und Les Sources. Dem rechten Tal folgen, bis die Straße an der Moselquelle vorbei kommt. Ab hier sind es nur noch zehn Höhenmeter, und man hat den Col de Bussang überwunden.

Bergab gibt es leider keine Alternative zur Nationalstraße. Dies ist auch der einzige Grund, weshalb man die hier beschriebene Runde im Uhrzeigersinn fahren soll. Die Serpentinen des Passes möchte man ungern bergauf schleichen, wenn LKW im Nacken hängen. Bergab ist es problemlos. Durch den ersten Ort (Urbès) noch hindurch, dann beginnt rechts ein Radweg, der von der Nationalstraße weg führt. Nun folgt man dem ausgeschildeten Thur-Radweg, bis man in Cernay die Rheinebene erreicht.

Informationen zum Bahntrassenradweg Remiremont-Bussang: http://www.lavoieverte.com/hautes-vosges/parcours-voie-verte.html und http://www.bahntrassenradeln.de/details/fr88_04.htm?f
Informationen zum Thur-Radweg (BL 154): http://www.alsaceavelo.fr/itineraires/boucles-locales/bl154-au-fil-de-l-eau-soyez-na-thur-150.html

Zurück zum Bodensee - durch den Schwarzwald

Um zurück zum Bodensee zu gelangen, gibt es diverse relativ flache Möglichkeiten. Ab Cernay folgt man dem Eurovelo 5 bis Basel, dann entweder auf schweizer Seite der Rheinroute 2 oder auf deutscher Seite den Radwegen am anderen Ufer über Tiengen und Schaffhausen (Route 77).

Da wir beide Alternativen schon kannten, haben wir diesmal einen anderen Weg eingeschlagen, der uns über den Hochschwarzwald führte. Für diesen Streckenabschnitt ist also Kondition gefordert. Statt nach Basel abzubiegen, kreuzten wir den Rhein bei Neuenburg und folgten dann zunächst dem Südschwarzwald-Radweg nach Freiburg und dann dem Dreisamtal nach Kirchzarten. Hier teilt sich die Beschilderung Richtung Hinterzarten in einen steilen und einen ganz steilen Ast. Nehmen Sie die rechte Strecke Richtung Oberried und folgen Sie dem Zastlertal immer bergauf.

Am höchsten Punkt (Rinkenpass) biegen Sie rechts ab in Richtung Feldsee und Raimartihof. Es folgen nun einige unbefestigte Stücke. Hinter dem Raimartihof Richtung Tal und dann rechts an der Hangkante entlang. So erreicht man am Haus Feldberg die B317, welche man einfach quert und dem Lachenrütteweg Richtung Schluchsee folgt (Beschilderung Fernskiwanderweg Hinterzarten-Schluchsee). Ab dem Ort Schluchsee folgt man Radweg oder Straße nach Bonndorf und dann dem Südschwarzwaldradweg hinab ins Tal der Wutach, welche man in Grimmelshofen quert.

Dem ausgeschilderten Radweg Richtung Blumberg folgen bis Fützen. Hier die Sauschwänzlebahn unterqueren und geradeaus die steile Straße hinauf, bis man auf die schweizer MTB-Strecke 50 trifft. Am nördlichsten Punkt der Schweiz vorbei bis kurz vor den Zoll. Hier nach links abbiegen über Neuhaus, Nordhalden, Uttenhofen. In der scharfen Linkskurve vor Tengen rechts abbiegen, so kommt man in Büßlingen auf den Fernradweg Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee. Dieser führt uns über Singen zum Bodensee.

Informationen zum Südschwarzwald-Radweg: http://www.naturpark-suedschwarzwald.de/freizeit-sport/suedschwarzwald-radweg
Bikeline-Führer: https://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3850004384/crlfberatun

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Last modification: 02.02.2018